Das Immunsystem von Kindern im Laufe der Kindheit – warum kleine Kinder so oft krank werden

Das Immunsystem von Kindern im Laufe der Kindheit – warum kleine Kinder so oft krank werden

Wenn kleine Kinder in die Krippe oder den Kindergarten kommen, haben viele Eltern das Gefühl, dass eine Erkältung die nächste jagt. Husten, Fieber, Schnupfen und Magen-Darm-Infekte scheinen sich abzuwechseln – und kaum ist das eine überstanden, steht schon die nächste Krankheit vor der Tür. So anstrengend das auch sein mag, ist es doch ein ganz normaler und wichtiger Teil der kindlichen Entwicklung. Denn das Immunsystem eines Kindes muss erst lernen, sich selbst zu verteidigen – und das braucht Übung.
Das Immunsystem – die Abwehr des Körpers
Das Immunsystem ist das körpereigene Schutzsystem gegen Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger. Es besteht aus vielen verschiedenen Zellen, Organen und Mechanismen, die zusammenarbeiten, um fremde Eindringlinge zu erkennen und zu bekämpfen.
Neugeborene kommen mit einem noch unreifen Immunsystem zur Welt. Sie erhalten jedoch einen gewissen Schutz von der Mutter – einerseits über Antikörper, die während der Schwangerschaft über die Plazenta übertragen werden, und andererseits über die Muttermilch, wenn das Kind gestillt wird. Dieser sogenannte „Nestschutz“ lässt in den ersten Lebensmonaten nach, und dann muss das kindliche Immunsystem selbst aktiv werden.
Warum werden kleine Kinder so oft krank?
Kleine Kinder begegnen ständig neuen Erregern, besonders wenn sie mit anderen Kindern zusammen sind. Jedes Mal, wenn der Körper mit einem neuen Virus oder Bakterium in Kontakt kommt, muss das Immunsystem lernen, darauf zu reagieren. Dabei entstehen Krankheitssymptome – aber gleichzeitig bildet der Körper Antikörper, die vor zukünftigen Infektionen schützen.
Deshalb ist es völlig normal, dass Kinder in den ersten Lebensjahren häufig krank werden. Kinderärzte in Deutschland gehen davon aus, dass bis zu acht bis zehn Infekte pro Jahr im Kleinkindalter völlig unbedenklich sind. Das ist kein Zeichen für ein schwaches Immunsystem, sondern Ausdruck der natürlichen Reifung.
Vom Säugling zum Schulkind – wie sich das Immunsystem entwickelt
Die Entwicklung des Immunsystems verläuft schrittweise über viele Jahre hinweg:
- 0–6 Monate: Das Kind profitiert noch von den mütterlichen Antikörpern, beginnt aber, eigene Abwehrstoffe zu bilden. Infektionen sind seltener, können aber schwerer verlaufen.
- 6 Monate – 3 Jahre: Die „Hochsaison“ der Infekte. Das Kind kommt mit vielen neuen Erregern in Kontakt, besonders in der Kita. Das Immunsystem wird intensiv trainiert.
- 3–6 Jahre: Das Immunsystem hat bereits einiges gelernt. Infekte treten seltener auf und verlaufen meist milder.
- Schulalter: Das Abwehrsystem ist deutlich stabiler. Dennoch können neue Umgebungen und Viren, etwa in der Schule, weiterhin Herausforderungen darstellen.
Wie kann man das Immunsystem von Kindern unterstützen?
Krankheiten lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber Eltern können das Immunsystem ihres Kindes durch gesunde Lebensgewohnheiten stärken:
- Ausreichend Schlaf: Kinder brauchen viel Schlaf, um sich zu erholen und Abwehrkräfte aufzubauen. Feste Schlafenszeiten und ruhige Rituale helfen dabei.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten liefert wichtige Vitamine und Mineralstoffe.
- Bewegung und frische Luft: Regelmäßiges Spielen im Freien stärkt Körper und Geist – und senkt das Risiko, sich in geschlossenen Räumen anzustecken.
- Hygiene mit Maß: Händewaschen vor dem Essen und nach dem Toilettengang ist wichtig, aber übertriebene Sauberkeit kann das Immunsystem unterfordern.
- Rauchfreie Umgebung: Passivrauchen schädigt die Schleimhäute und erhöht die Anfälligkeit für Atemwegsinfekte.
Von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln oder „Immunboostern“ ist dagegen meist wenig zu erwarten. Wissenschaftlich belegt ist vor allem, dass ein gesunder Lebensstil die beste Grundlage für ein starkes Immunsystem bildet.
Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
Auch wenn häufige Infekte normal sind, gibt es Situationen, in denen ein Arztbesuch ratsam ist. Zum Beispiel, wenn das Kind:
- länger als fünf Tage Fieber hat, ohne dass es besser wird,
- immer wieder schwere Infektionen wie Lungen- oder Mittelohrentzündungen bekommt,
- ungewöhnlich blass oder kraftlos wirkt oder nicht zunimmt,
- Atemnot hat oder Hautausschläge zeigt, die sich nicht wegdrücken lassen.
In den meisten Fällen sind die Erkrankungen jedoch harmlos und klingen von selbst ab. Wichtig sind Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und liebevolle Zuwendung – das hilft dem Körper, sich zu erholen.
Ein starkes Immunsystem wächst mit
Dass kleine Kinder häufig krank sind, ist also kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen dafür, dass ihr Immunsystem lernt. Jede Erkältung, jedes Fieber ist eine kleine Trainingseinheit für die körpereigene Abwehr. Mit jedem Infekt wird das Immunsystem erfahrener und widerstandsfähiger.
Für Eltern kann es tröstlich sein zu wissen: Die vielen Krankheitsphasen in den ersten Jahren sind eine Investition in die zukünftige Gesundheit. Das Immunsystem wächst – und mit jeder Herausforderung wird es ein Stück stärker.













